Sachbuch zum Thema Demenz: „Komm her, wo soll ich hin?“

17. April 2012

Mit Sophie Rosentreter arbeite ich zusammen seit sie die Gründung ihrer Firma Ilses weite Welt 2010 vorbereitet hat. Sie produziert Filme für Menschen mit Demenz und bietet jeweils zum Film interaktive Beschäftigung mit einem Anleitungsbuch, Fotokarten und einem Set mit Gegenständen zum Anfassen, Ertasten und Erkennen. Ihre interaktive Filmbeschäftigung hilft inzwischen vielen Menschen dabei, einen Weg in die Welt ihrer Angehörigen mit Demenz zu finden, und sie kommt in immer mehr Pflegeeinrichtungen, Tagesstätten und Betreuungsgruppen täglich zum Einsatz.

Ich selbst schreibe seit vielen Jahren schon über Altenpflege und Demenz, und wir beide haben zu diesen Themen die gleichen Ideen, Wünsche, Ansichten und Visionen.  Als der Westend Verlag in Frankfurt Sophie Rosentreter letztes Jahr bat, ein Buch darüber zu schreiben, warum Menschen mit Demenz in die Mitte unserer Gesellschaft gehören, war deshalb auch schnell klar: Das schreiben wir zusammen. Und jetzt ist es fertig. Es ist am 14. Mai 2012 erschienen.

Den Titel zum Buch gab die Bewohnerin eines Heims, in dem Sophie Rosentreter ihre Filme testet. Die Frau fragte sie einmal ebenso hilflos wie drängend: „Komm her, wo soll ich hin?“ und beschrieb damit treffend den Zustand, in dem sich Menschen mit Demenz befinden können: Sie brauchen uns, damit sie ihren Platz finden.

Wir haben interessante Projekte in Deutschland besucht

Wir waren viele Monate unterwegs in ganz Deutschland. Wir haben jede Menge interessante und für das Thema Demenz aufgeschlossene Menschen, ihre Arbeit, ihre Probleme, aber auch ihre Motivation kennengelernt: Fachleute aus Medizin und Pflege, Betroffene und ihre Angehörigen und ehrenamtlich engagierte Menschen. Sie alle haben uns informiert und inspiriert.

Sachbuch "Komm her, wo soll ich hin?" Sophie RosentreterDas Buch fordert nicht nur ein Umdenken in Bezug auf das Thema Demenz. Es liefert auch gleich eine Vielzahl von Beispielen dafür, dass dieses Umdenken bereits in vielen Bereichen stattfindet und es Erfolg versprechende Ansätze gibt: Wir haben Projekte und Initiativen mit Leuchtturmcharakter gefunden, die uns allen neue Wege im Umgang mit Demenz zeigen und uns alle lehren können, frisch und neu zu denken. Und vielleicht kann das Buch dabei helfen, dass sich die Bedingungen für die Menschen mit Demenz verbessern und für diejenigen, die sich um sie kümmern.

Demenz verständlich gemacht für jedermann

Das Buch ist geschrieben für die breite Öffentlichkeit, die noch immer zu wenig über die vielen Aspekte der Demenz weiß. Denn damit beschäftigt man sich oft erst, wenn man selbst oder wenn ein Familienmitglied betroffen ist. Wir fanden aber, dass sich jeder auch ohne persönliche Betroffenheit mit dem Thema Demenz befassen sollte.

Jedes Kapitel des Buchs beleuchtet deshalb einen  bestimmten Aspekt, klärt über Zusammenhänge auf und zeigt aber auch, wohin es gehen kann:

  • Wir waren zum Beispiel in einem Heim, das auf Fixierungen verzichtet und in einem, das mit weniger Medikamenten auskommt.
  • Wir stellen eine Pflegeeinrichtung vor, die zusammen mit den Angehörigen Lösungen für demenzielle Bewohner findet, z.B. bei der Entscheidung für oder gegen PEG-Sonden.
  • Wir haben Rockn`Roll getanzt in einem Tanzkurs für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.
  • Wir haben erfahren, was es heißt, mit den eingeschränkten Sinneswahrnehmungen einer 85-Jährigen zu essen.
  • Wir haben einen Tag in einer Demenz-WG gelebt.
  • Wir haben mit Pflegebegleitern und Hospizhelfern über ihr ehrenamtliches Engagement  gesprochen und mit Heimleitern und -leiterinnen über ihre Arbeit und die Zukunft der Altenpflege.

Wir haben Einblicke in eine Welt bekommen, die den meisten von uns bislang fremd ist. Wir meinen aber, dass es sich lohnt, sie kennenzulernen. Damit wir alle wieder einen Weg finden zu mehr Menschlichkeit und zu einem anderen Miteinander.

Und nun bin ich ebenso wie Sophie Rosentreter gespannt, ob wir etwas erreichen können mit diesem Buch.

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care-comm-Marketing-Tipp 5: Aktionen zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai

2. Mai 2011

Berufe in der Kranken- und Altenpflege gelten als unattraktiv und unterbezahlt, die Pflege hat ein Imageproblem. Deshalb sollten die Akteure in der Pflege für ihren Berufstand werben, selbstbewusst Einblick geben in ihre Arbeit, aufklären, einladen, zum Mitmachen aktivieren.

Welcher Tag im Jahr wäre wohl besser dafür geeignet als der Internationale Tag der Pflege? Seit 1967 findet er am 12. Mai statt, dem Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale.

Anlässe schaffen für Kontakte mit alten Menschen

Um junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern, muss man aktiv und kreativ werden. Jugendliche haben heute kaum Berührungspunkte mit Menschen, die im Alter ihrer Großeltern sind. Dass anderen zu helfen zwar anstrengend ist, die Freude und Dankbarkeit derjenigen, denen man hilft, aber auch Balsam für die eigene Seele sein kann – diese Erfahrung machen viel zu wenige in diesem Alter. Für den ein oder anderen kann sie zur Initialzündung für den späteren Berufswunsch werden.

Solche Schlüsselerlebnisse zu fördern, sollte daher auch das eigentliche Ziel aller Aktivitäten sein, die ein Pflegeunternehmen im Bereich „Jugendarbeit“ unternimmt. Der Weg führt dabei über

  • die Pädagogen in Schulen
  • die Jugendleiter in örtlichen Vereinen, in Jugendzentren und Mehrgenerationenhäusern, in Jugendgruppen von christlichen Gemeinden und bei Pfadfindern.

Knüpfen Sie Kontakte zu Lehrern und Jugendleitern und

  • bieten Sie eine Informationsstunde in Klassen oder Jugendgruppen zum Tag der Pflege an
  • laden Sie eine Klasse/Gruppe an diesem Tag in Ihre Einrichtung ein
  • regen Sie Unterrichtsprojekte und Themen für Projektwochen an.

Ehrenamtlich angelegte Projekte eignen sich besonders, das Interesse bei Jugendlichen zu wecken. Schlagen Sie vor, interessierte Schüler oder Klassen über einen bestimmten Zeitraum daran teilnehmen zu lassen. Das können Initiativen sein wie

  • Besuchsdienste
  • Vorlesen
  • Spazierengehen
  • Erzählnachmittage mit Zeitzeugen
  • PC-Kurse für Senioren

Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, die hier ihre Unterstützung, Mitarbeit  oder Begleitung anbietet, werden schnell zur Anlaufstelle für weitere Kollegen. Signalisieren Sie, dass Sie für interessierte Schüler Praktikumsplätze freizuhalten, wird auch Anfragen erhalten. Ob man die Pflegepraktikanten dann für eine spätere Ausbildung gewinnen kann, ist zwar nicht garantiert. Wichtig aber ist doch, dass Sie aktiv etwas für die Attraktivität Ihres Berufstandes getan haben.

Sozial engagierte Jugendliche finden

Besonders offen für soziale Projekte sind Jugendliche, die sich ohnehin gerne engagieren. Sie finden solche beispielsweise bei

  • Jugendgruppen (kirchlichen und freien) oder auch bei den Pfadfindern. Sie fühlen sich der Einhaltung besonderer Werte verpflichtet: zu helfen und sich für andere einzusetzen gehört dazu. Mit entsprechenden Angeboten für gemeinsame Aktionen ist man deshalb willkommen. Geschult durch viele Jahre Jugendarbeit ist bei den Älteren unter ihnen die Bereitschaft hoch, später einen sozialen Beruf zu ergreifen.
  • Vereinen: In Sport- und Musikvereinen oder bei der freiwilligen Feuerwehr ist es üblich, dass sich ihre Mitglieder besonders für örtliche Sozialprojekte engagieren: tatkräftig z.B. renovieren oder entrümpeln oder Geld sammeln für einen guten Zweck. Warum regen Sie also nicht auch mal ein entsprechendes Altenhilfe-Projekt an?

Und ganz nebenbei profitieren Sie von einem zusätzlichen PR-Effekt: Denn alle, mit denen Sie auf diese Weise in Kontakt kommen, machen als Multiplikatoren Ihr Pflegeangebot bekannter!


Neue Ideen für die Altenpflege: Demenzbeschäftigung mit Filmen

18. November 2010

Ein bisschen frischen Wind kann die Altenpflege in Deutschland gut vertragen. Und dafür sorgen immer öfter verschiedene Initiativen der Nachwuchsförderung oder die jungen Altenpfleger/n/innen selbst. Solche erfrischenden Brisen können aber auch aus ganz anderen Ecken kommen.

Denn so manche zwischen 25 und 45 erleben die Pflegebedürftigkeit der Eltern oder die Demenzerkrankung der Großeltern hautnah, erkennen die Defizite und Nöte in der Betreuung, möchten helfen oder etwas verändern im Umgang mit Alzheimer und Demenz in unserer Gesellschaft. Zum Beispiel:

Stefan Krastel, der sich nach seinem „Marsch nach Berlin“ im Vorstand der „Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde e.V. wir pflegen“ engagiert. Der Friseur hat durch die Pflege seiner Mutter sein Laden aufgeben müssen, alle Ersparnisse aufgebraucht und lebt heute von Hartz IV.

Martin Bollinger, der das Projekt Laternenträger initiert hat. Die Wegbegleiter bei erkranktem Geist wie sie sich selbst nennen,  wollen tagsüber ihre demenzkranken Gäste im Alltagshaus versorgen und daraus ein Franchise-Konzept machen. Der examinierte Altenpfleger versorgte jahrelang seine pflegebedürftige Mutter

Oder Sophie Rosentreter, die Filme für demenzkranke Menschen produziert. Nach dem Tod ihrer Großmutter, die an Demenz gelitten hatte, entwickelte sie ein Beschäftigungskonzept, das auf Filmen für demenzkranke Menschen beruht. Zu den DVD-Filmen gibt es Begleitmaterial, Anleitungen und Produkte, die eine “interaktive” Beschäftigung ermöglichen (Ilses weite Welt).

Die ehemalige MTV-Moderatorin hat das Konzept mit Demenzexperten wie dem Gerontologen Dr. Jens Bruder, der Ergotherapeutin Gudrun Schaade und dem Musiktherapeuten Jan Sonntag entwickelt und in Einrichtungen getestet.

Über das interessante Projekt habe ich einen Beitrag im Autorenportal suite101 verfasst. Er wurde, weil das Thema offenbar auf besonders großes Interesse stößt, nun zusätzlich mit einer Empfehlung der Redaktion ausgezeichnet.

Zu den Filmen auf DVD gibt es Begleitmappen, die es ermöglichen, sich mit den Themen weiter zu beschäftigen. Die Anleitungen dazu sind so konzipiert, dass auch Menschen ohne Vorkenntnisse im Umgang mit demenzkranken Menschen es anwenden können. Damit eignet es sich vor allem auch für den Einsatz im ehrenamtlichen Bereich, in Betreuungsgruppen und in Tagespflegegruppen.


Sterbehilfe-Diskussion

15. Juli 2010

Nachdem der Bundesgerichtshof Ende Juni in einem Urteil dem Münchner Anwalt Wolfgang Putz und einer Angehörigen recht gegeben hat, die im Pflegeheim den Sondenschlauch ihrer im Koma liegenden Mutter abgeschnitten hatte, ist die Diskussion um Sterbehilfe wieder lauter und heftiger geworden.

Was mich daran stört, ist die Begriffsverwirrung und die dadurch entstehende Polarisierung in Verfechter und Gegner. Deshalb empfehle ich jedem, der in der Pflege arbeitet das Buch von Intensivmediziner Michael de Ridder „Wie wollen wir sterben“

Wer die Zeit dafür nicht hat, der findet das Spiegel-Interview mit dem Autoren vielleicht hilfreich?

Die meisten Menschen möchten nicht im Krankenhaus sterben. Die meisten alten Menschen kommen aber noch immer mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus und müssen dort ihre letzten Stunden verbringen …

Wissen Sie, welcher Ihrer Kunden eine Patientenverfügung hat?

Haben Sie mit Ihren Pflegekunden – und deren Angehörigen – schon einmal darüber gesprochen, was sie als Patienten wünschen, wenn sie selbst nicht mehr entscheiden können?

Haben Sie für sich selbst eine Patientenverfügung verfasst?

Welche Meinung haben Sie als Pflegeprofi zu „Sterbehilfe“ oder „Sterben zulassen“?

Und wie gehen Sie in Ihrem Pflegedienst oder in Ihrem Pflegeheim damit um?

Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen interessieren mich sehr und ich würde mich über eine faire, interessante und offene Diskussion sehr freuen …